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Wie Søstrene Grene aus einem Store ein Markenerlebnis macht

Es gibt Stores, in denen man gezielt einkauft. Und es gibt Stores, in denen man plötzlich langsamer wird. Genau das macht Søstrene Grene so spannend. Während viele Händler versuchen, Aufmerksamkeit über laute Kommunikation, Promotions oder immer größere Sortimente zu erzeugen, verfolgt das dänische Familienunternehmen einen nahezu gegenteiligen Ansatz: Es gestaltet das Einkaufserlebnis bewusst ruhig, entschleunigt und atmosphärisch.

Das Besondere daran ist nicht die klassische Musik allein. Entscheidend ist das konsequente Zusammenspiel aus Raumgestaltung, Sound, Storytelling und Wegeführung. Jeder Store soll sich wie eine kleine Auszeit vom Alltag anfühlen. Besucherinnen und Besucher tauchen dabei in die Welt der fiktiven Schwestern Anna und Clara ein, die Søstrene Grene seit Jahrzehnten als erzählerische Leitfiguren der Marke einsetzt. Dieses Konzept begleitet das Unternehmen bereits seit der Gründung 1973 und prägt bis heute sämtliche Filialen.

Um diesen Ansatz greifbarer zu machen, haben wir den Søstrene-Grene-Case entlang eines vierstufigen Modells multisensorischer Markenführung eingeordnet.

1. Wahrnehmung gestalten: Atmosphäre wird zum Orientierungssystem

Bereits beim Betreten des Stores verändert sich das Einkaufserlebnis. Statt hoher Reizdichte setzt Søstrene Grene auf Reduktion und Entschleunigung: klassische Musik als akustische Markenidentität, gedämpftes Licht und natürliche Materialien sowie eine labyrinthartige Wegeführung mit ständig neuen Blickachsen. Diese Gestaltung verändert nicht nur die Atmosphäre, sie beeinflusst auch das Verhalten der Kundinnen und Kunden: Das Gehtempo sinkt, die Aufmerksamkeit steigt, und aus einem geplanten Einkauf wird häufig eine Entdeckungsreise. Genau deshalb beschreibt Søstrene Grene seine Stores selbst als Orte, die Körper und Geist inspirieren und eine kleine Pause vom Alltag schaffen sollen.

 

2. Inspiration inszenieren: Die Marke aktiv entdecken

Søstrene Grene gestaltet den Store so, dass Kundinnen und Kunden die Marke aktiv entdecken können. Die Produkte werden in stimmigen Wohn- und Themenwelten präsentiert, wodurch immer wieder neue Ideen für das eigene Zuhause und zahlreiche ungeplante Berührungspunkte mit der Marke entstehen. Unterstützt wird dieses Erlebnis durch aufeinander abgestimmte Produktkombinationen, DIY-Ideen, Rezepte und kreative Anwendungsmöglichkeiten sowie saisonale Dekorations- und Einrichtungsideen, die zum Nachmachen anregen. Dadurch entwickelt sich der Store zu einem Ort, an dem zwar eingekauft wird, aber vor allem auch neue Ideen entstehen.

 

3. Emotionalisierung schaffen: Eine Markenwelt mit Charakter

Søstrene Grene verkauft Wohnaccessoires, Schreibwaren und Dekoration. Gleichzeitig schafft die Marke eine erzählerische Welt, die weit über das Sortiment hinausgeht. Im Mittelpunkt stehen die fiktiven Gastgeberinnen Anna und Clara. Anna verkörpert die kreative, ästhetische Seite, während Clara für das Praktische und Organisatorische steht. Beide begleiten Kundinnen und Kunden durch nahezu sämtliche Kommunikationsmaßnahmen, geben Einrichtungstipps, teilen DIY-Projekte und verleihen der Marke eine unverwechselbare Persönlichkeit. Storytelling zieht sich dabei konsequent durch die gesamte Markenkommunikation: Kreativität, Hygge und Ästhetik werden über Geschichten, Bilder und Erlebnisse vermittelt, und jede Inspiration zahlt auf dieselben Werte ein. So entsteht eine emotionale Bindung, die weit über einzelne Produkte hinausreicht.

 

4. Rückkehr fördern: Neue Besuchsanlässe schaffen

Ein Markenerlebnis endet für Søstrene Grene nicht an der Kasse. Das Sortiment entwickelt sich kontinuierlich weiter und schafft regelmäßig neue Gründe für einen erneuten Besuch – rund 300 neue Produkte pro Woche, limitierte Kollektionen sowie saisonale Schwerpunkte und wechselnde Sortimente sorgen für immer neue Kauf- und Inspirationsanlässe. So entsteht ein Retail-Konzept, das von Dynamik lebt. Jeder Besuch fühlt sich ein wenig anders an und stärkt die langfristige Bindung zur Marke.

 

Vom Store zur Markenbühne

Am Ende zählt nicht die Lautstärke der Kommunikation, sondern die Konsequenz, mit der eine Marke über alle Sinne hinweg erlebbar gemacht wird. Der Søstrene-Grene-Case zeigt, wie Atmosphäre, Storytelling, Raumgestaltung und Produktinszenierung ineinandergreifen und wie konsequent multisensorische Markenführung im stationären Handel umgesetzt werden kann.